Freitag, 16. Januar 2015
Sanitäre Einsichten
frau o., 12:28h
Ich hab soeben die Reinigung unseres Badezimmers beendet und muss tatsächlich sagen, dass mir diese Tätigkeit heute große Freude bereitet hat. Vielerorts herrscht wohl die Meinung vor, dass es kaum eine stumpfsinnigere und lästigere Arbeit als die des eigenen Hausputzes gebe. Nun, ich stimme dem eingeschränkt zu. Vermutlich wäre es weniger sumpfsinnig wenn man regelmäßig die Häuser anderer Leute putzen würde. Allerdings birgt natürlich die Unterschiedlichkeit der Putzstile und -ideale zu großes Streitpotential, um einen nachbarschaftlichen Putz-Ring-Tausch anzustreben.
Unser Badezimmer putze ich nun schon seit vier Jahren in regelmäßigen Abständen. Es gab dieses Bad auch davor schon, doch da gehörte es noch jemand anderem, der es deshalb auch selbst geputzt hat.
Nun zu den Gründen meiner Freude über diese einfache, ehrliche Beschäftigung:
1. Ich kann es
Gestern Abend entsprach mein Körpergefühl noch dem einer Achtzigjährigen, die darüber nachdenkt ins Pflegeheim zu ziehen. Vergleichbar mit dem verbreiteten "Ich-hab-da-was-in-den-Knochen"-Gefühl vor und während einer Grippe oder starken Erkältung. Da dieses Empfinden eine Nebenwirkung des Medikaments ist, das vorgestern erhalte habe, war es gut auzuhalten. Das Medikament ist nämlich der Personal Trainer meines Knochenmarks und regt es dazu an noch mehr neue Blutteilchen zu bilden, als es das eh schon tun würde. Mit diesem Wissen ließ es sich dann ganz gut abwarten, bis es einfach wieder von selbst vorbei geht. Allerdings schritt der gefühlte Alterungsprozess meines Körpers im Verlaufe des gestrigen Tages so weit voran, dass ich mir zu diesem Zeitpunkt nicht mal hätte vorstellen können mit Elan eine Klobürste zu benutzen, geschweige denn ein ganzes Badezimmer zu putzen.
2. Ich kann es
Vor ein paar Wochen noch schlich eine meiner größten Ängste um mich herum und ließ mir keine Ruhe: die Chemo-Angst, die mir Bilder von mir selbst in hilflosen Posen im Bett oder auf dem Sofa liegend vorgaukelte. Die Sorge, sich um nichts mehr kümmern zu können als um das eigene Unwohlsein hat mich lange eingeschüchtert. Um so größer ist meine Erleichterung darüber, dass die letzten Wochen zwar anstrengend waren, ich aber immer noch ein selbstbestimmter und handelnder Mensch bin
( ok, manchmal handle ich ein bisschen langsamer als andere Menschen ). Ob das so bleibt, bleibt abzuwarten. Ein Schritt nach dem anderen.
3. Der meditative Effekt
Selten habe ich mich so auf eine Sache konzentriert und konnte dabei gleichzeitig meinen Gedanken freien Lauf lassen. Um gegen den Stumpfsinn anzukämpfen, habe ich mir eigentlich angewöhnt mich mit Hörbüchern abzulenken. Das habe ich heute aus technischen Gründen gelasssen. Und siehe da - sie kamen wie von selbst, all die tiefen Einsichten und erleuchteten Gedanken. Jetzt sind sie zwar alle wieder weg, aber egal, sie waren schließlich einen Moment lang da. Es waren so Gedanken wie "Warum suchen wir immer nach den großen Dingen, die uns ruhiger oder ausgeglichener machen könnten, wo es doch oft auch schon die Kleinigkeiten sind, die uns erfüllen?" oder "Warum wissen wir immer erst um die Kostbarkeit der Dinge, wenn sie durch etwas bedroht werden?". Ich war gleichzeitig Karate Kid und Mister Miyagi! Wow! Vielleicht sollte ich Badezimmer-Meditationen anbieten.
Oder doch nochmal die Auflistung der Nebenwirkungen meiner Medikamente durchlesen.
Unser Badezimmer putze ich nun schon seit vier Jahren in regelmäßigen Abständen. Es gab dieses Bad auch davor schon, doch da gehörte es noch jemand anderem, der es deshalb auch selbst geputzt hat.
Nun zu den Gründen meiner Freude über diese einfache, ehrliche Beschäftigung:
1. Ich kann es
Gestern Abend entsprach mein Körpergefühl noch dem einer Achtzigjährigen, die darüber nachdenkt ins Pflegeheim zu ziehen. Vergleichbar mit dem verbreiteten "Ich-hab-da-was-in-den-Knochen"-Gefühl vor und während einer Grippe oder starken Erkältung. Da dieses Empfinden eine Nebenwirkung des Medikaments ist, das vorgestern erhalte habe, war es gut auzuhalten. Das Medikament ist nämlich der Personal Trainer meines Knochenmarks und regt es dazu an noch mehr neue Blutteilchen zu bilden, als es das eh schon tun würde. Mit diesem Wissen ließ es sich dann ganz gut abwarten, bis es einfach wieder von selbst vorbei geht. Allerdings schritt der gefühlte Alterungsprozess meines Körpers im Verlaufe des gestrigen Tages so weit voran, dass ich mir zu diesem Zeitpunkt nicht mal hätte vorstellen können mit Elan eine Klobürste zu benutzen, geschweige denn ein ganzes Badezimmer zu putzen.
2. Ich kann es
Vor ein paar Wochen noch schlich eine meiner größten Ängste um mich herum und ließ mir keine Ruhe: die Chemo-Angst, die mir Bilder von mir selbst in hilflosen Posen im Bett oder auf dem Sofa liegend vorgaukelte. Die Sorge, sich um nichts mehr kümmern zu können als um das eigene Unwohlsein hat mich lange eingeschüchtert. Um so größer ist meine Erleichterung darüber, dass die letzten Wochen zwar anstrengend waren, ich aber immer noch ein selbstbestimmter und handelnder Mensch bin
( ok, manchmal handle ich ein bisschen langsamer als andere Menschen ). Ob das so bleibt, bleibt abzuwarten. Ein Schritt nach dem anderen.
3. Der meditative Effekt
Selten habe ich mich so auf eine Sache konzentriert und konnte dabei gleichzeitig meinen Gedanken freien Lauf lassen. Um gegen den Stumpfsinn anzukämpfen, habe ich mir eigentlich angewöhnt mich mit Hörbüchern abzulenken. Das habe ich heute aus technischen Gründen gelasssen. Und siehe da - sie kamen wie von selbst, all die tiefen Einsichten und erleuchteten Gedanken. Jetzt sind sie zwar alle wieder weg, aber egal, sie waren schließlich einen Moment lang da. Es waren so Gedanken wie "Warum suchen wir immer nach den großen Dingen, die uns ruhiger oder ausgeglichener machen könnten, wo es doch oft auch schon die Kleinigkeiten sind, die uns erfüllen?" oder "Warum wissen wir immer erst um die Kostbarkeit der Dinge, wenn sie durch etwas bedroht werden?". Ich war gleichzeitig Karate Kid und Mister Miyagi! Wow! Vielleicht sollte ich Badezimmer-Meditationen anbieten.
Oder doch nochmal die Auflistung der Nebenwirkungen meiner Medikamente durchlesen.
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