Dienstag, 27. Januar 2015
Schwachstellen
frau o., 11:46h
Wie bereits geschrieben bereitet mir die Chemo bislang wenig Probleme und hält sich mit Nebenwirkungen extrem zurück. Heute bekomme ich die letzte Gabe dieser Art und dann darf man mit Spannung erwarten wie ich die nächste Sorte vertrage. Toi, toi, toi!
Natürlich merkt der Körper schon, dass da gerade etwas mit ihm gemacht wird. Ich weiß nicht, ob die rote Farbe des Medikamentes das gerade in mich hinein läuft aufgrund der chemischen Zusammensetzung entsteht oder absichtlich gewählt ist. Ganz zu Beginn sagte mir die Schwester "Stellen Sie sich was schönes vor. Aperol Spritz zum Beispiel."
Antwort: "Davon wird mir immer schlecht."
Ich hab mich dann für Campari entschieden, obwohl der bei mir auch Kopfschmerzen verursachen kann.
Wie auch immer, bislang läuft nicht nur die Infusion super, sondern die ganze Therapie und ich bin dafür echt dankbar.
Am Samstag hatte ich einen minimalen Einblick darin, wie es sonst so sein könnte. Ok, ungefähr so als würde jemand von seinem appen Bein erzählen und ein anderer sagt "Ja, ich hab mir auch mal den Zeh verstaucht."
Ich hatte einen Pickel am Rand meiner Zunge. Er kam allein, er blieb allein und er ging auch wieder allein, aber er war schmerzhaft und hat mir das Essen verleidet. Das ist schwer verzeihlich. Er war weiß und leicht zu sehen und aktivierte natürlich erstmal den Krebs-Alarm ( "Oh mein Gott, ich habe Zungenkrebs" ) bis zur Aktivierung des Verstandes ( "Klar, wenn`s so einfach wäre könnten Krebserkrankungen früher entdeckt werden" ). Trotzdem drückte das Pickelchen trotz seiner geringen Größe und Bedrohlichkeit auf die Stimmung und brachte mich zu folgender Erkenntnis: ich bin ein Weichei.
Ich hasse Schmerzen und kann sie nicht gut verbergen. Selbst wenn ich nicht herum jammere merkt meine Umgebung an meiner schlechten Laune, dass ich welche habe. Und mir fehlt die Weitsicht, um daran zu denken, dass sie auch wieder vorübergehen. Sie sind dann da und ich weiß gar nicht mehr, wie es ohne sie war und dass sie ja auch wieder weggehen.
Tatsächlich kam der Weichei-Entlarver freitags, bleib über Nacht und begleitete mich dann noch bis Samstagabend. Das war`s. Am Sonntag war er dank einer super homöopathischen Mundspülung wieder weg. Ich gebe mich hier der absoluten Lächerlichkeit preis. Ich habe sonst NICHTS! Der Rest meiner Mundschleimhaut hat bisher wacker durchgehalten, die Verstopfung ist unangenehm, hält sich aber in Grenzen, die Übelkeit ist gut mit Tabletten in Schach zu halten und die Müdigkeit tritt nur temporär auf.
Was mache ich denn erst, wenn`s richtig zur Sache geht? Ich muss unbedingt an meiner Schmerztoleranz arbeiten. Vielleicht bitte ich jemanden mir einmal täglich auf den Kopf zu hauen. Da wird sich bestimmt jemand finden, dem man damit sogar noch eine Freude machen könnte.
Natürlich merkt der Körper schon, dass da gerade etwas mit ihm gemacht wird. Ich weiß nicht, ob die rote Farbe des Medikamentes das gerade in mich hinein läuft aufgrund der chemischen Zusammensetzung entsteht oder absichtlich gewählt ist. Ganz zu Beginn sagte mir die Schwester "Stellen Sie sich was schönes vor. Aperol Spritz zum Beispiel."
Antwort: "Davon wird mir immer schlecht."
Ich hab mich dann für Campari entschieden, obwohl der bei mir auch Kopfschmerzen verursachen kann.
Wie auch immer, bislang läuft nicht nur die Infusion super, sondern die ganze Therapie und ich bin dafür echt dankbar.
Am Samstag hatte ich einen minimalen Einblick darin, wie es sonst so sein könnte. Ok, ungefähr so als würde jemand von seinem appen Bein erzählen und ein anderer sagt "Ja, ich hab mir auch mal den Zeh verstaucht."
Ich hatte einen Pickel am Rand meiner Zunge. Er kam allein, er blieb allein und er ging auch wieder allein, aber er war schmerzhaft und hat mir das Essen verleidet. Das ist schwer verzeihlich. Er war weiß und leicht zu sehen und aktivierte natürlich erstmal den Krebs-Alarm ( "Oh mein Gott, ich habe Zungenkrebs" ) bis zur Aktivierung des Verstandes ( "Klar, wenn`s so einfach wäre könnten Krebserkrankungen früher entdeckt werden" ). Trotzdem drückte das Pickelchen trotz seiner geringen Größe und Bedrohlichkeit auf die Stimmung und brachte mich zu folgender Erkenntnis: ich bin ein Weichei.
Ich hasse Schmerzen und kann sie nicht gut verbergen. Selbst wenn ich nicht herum jammere merkt meine Umgebung an meiner schlechten Laune, dass ich welche habe. Und mir fehlt die Weitsicht, um daran zu denken, dass sie auch wieder vorübergehen. Sie sind dann da und ich weiß gar nicht mehr, wie es ohne sie war und dass sie ja auch wieder weggehen.
Tatsächlich kam der Weichei-Entlarver freitags, bleib über Nacht und begleitete mich dann noch bis Samstagabend. Das war`s. Am Sonntag war er dank einer super homöopathischen Mundspülung wieder weg. Ich gebe mich hier der absoluten Lächerlichkeit preis. Ich habe sonst NICHTS! Der Rest meiner Mundschleimhaut hat bisher wacker durchgehalten, die Verstopfung ist unangenehm, hält sich aber in Grenzen, die Übelkeit ist gut mit Tabletten in Schach zu halten und die Müdigkeit tritt nur temporär auf.
Was mache ich denn erst, wenn`s richtig zur Sache geht? Ich muss unbedingt an meiner Schmerztoleranz arbeiten. Vielleicht bitte ich jemanden mir einmal täglich auf den Kopf zu hauen. Da wird sich bestimmt jemand finden, dem man damit sogar noch eine Freude machen könnte.
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